Wie entsteht ein Regenbogen? Lichtbrechung, Reflexion und Farben erklärt

Ein Wassertropfen in der Luft, durch den weißes Licht eintritt, im Inneren reflektiert wird und als aufgefächerte Regenbogenfarben wieder austritt, wodurch die Lichtbrechung und Entstehung eines Regenbogens sichtbar wird.
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Ein Regenbogen gehört zu den eindrucksvollsten Erscheinungen am Himmel – und trotzdem begegnet er uns oft überraschend, fast beiläufig, nach einem Sommergewitter oder an einem feuchten Morgen. Was dabei im Hintergrund passiert, ist reine Physik: Licht, Wasser und Winkel spielen zusammen und erzeugen ein Farbenspektrum, das sich über den halben Himmel spannt.

Die gute Nachricht: Die Erklärung dahinter ist verständlicher, als sie auf den ersten Blick wirkt. Wer einmal verstanden hat, wie Licht gebrochen, reflektiert und wieder gebrochen wird, sieht einen Regenbogen danach mit anderen Augen.

Dieser Artikel erklärt Schritt für Schritt, wie ein Regenbogen entsteht – von der Optik einzelner Wassertröpfchen bis zur Frage, warum der Himmel innerhalb des Bogens heller wirkt als außerhalb. Und er beantwortet einige Fragen, die man sich als Beobachterin oder Beobachter vielleicht schon öfter gestellt hat.

Was braucht es, damit ein Regenbogen entsteht?

Grundsätzlich sind zwei Dinge notwendig: Sonnenlicht und Wassertröpfchen in der Luft. Beides gleichzeitig – das ist die einfachste Voraussetzung. Deshalb erscheinen Regenbögen oft kurz nach einem Schauer, wenn die Sonne wieder durchbricht, oder in der Nähe von Wasserfällen, Springbrunnen und Gartenschläuchen.

Entscheidend ist dabei die Richtung. Der Beobachter oder die Beobachterin muss der Sonne den Rücken zuwenden. Der Regenbogen erscheint immer in der dem Sonnenlicht gegenüberliegenden Richtung – also genau dort, wo kein direktes Sonnenlicht fällt. Nur unter dieser Bedingung kann das Auge die gebrochenen und reflektierten Strahlen wahrnehmen.

Was passiert im Inneren eines Wassertröpfchens?

Das Herzstück der Erklärung liegt in jedem einzelnen Regentropfen. Diese winzigen kugelförmigen Tropfen wirken wie ein optisches Instrument – sie brechen das Licht, reflektieren es und brechen es beim Austritt erneut.

Erste Brechung: Das Licht tritt ein

Wenn Sonnenlicht auf die Oberfläche eines Wassertröpfchens trifft, verändert es seine Richtung. Diesen Vorgang nennt man Lichtbrechung oder Refraktion. Der Grund dafür ist, dass Licht in Wasser langsamer reist als in Luft. Durch diesen Geschwindigkeitswechsel ändert sich der Winkel, in dem der Lichtstrahl weiterläuft.

Weißes Sonnenlicht ist kein einheitliches Licht – es ist eine Mischung aus Licht unterschiedlicher Wellenlängen, also unterschiedlicher Farben. Jede Wellenlänge wird beim Eintritt in das Wasser leicht anders gebrochen. Rotes Licht wird am wenigsten abgelenkt, violettes am stärksten. Genau dadurch beginnt sich das weiße Licht in seine Bestandteile aufzufächern.

Reflexion: Das Licht wird zurückgeworfen

Im Inneren des Tropfens trifft das Licht auf die gegenüberliegende Rückwand. Dort wird es reflektiert – ähnlich wie in einem Spiegel, nur dass dieser Spiegel rund ist. Ein Teil des Lichts verlässt den Tropfen an dieser Stelle direkt, aber der größere Anteil wird zurückgeworfen und setzt seinen Weg durch das Wasser fort.

Diese innere Reflexion ist entscheidend. Ohne sie würde das Licht einfach durch den Tropfen hindurchgehen und kein sichtbarer Bogen entstehen.

Zweite Brechung: Das Licht tritt aus

Wenn das reflektierte Licht die Vorderfläche des Tropfens verlässt, wird es erneut gebrochen. Wieder gilt: Jede Farbe verlässt den Tropfen in einem leicht anderen Winkel. Rotes Licht verlässt den Tropfen unter einem Winkel von etwa 42 Grad zur einfallenden Sonnenstrahlung, violettes Licht unter etwa 40 Grad.

Dieser Unterschied von etwa zwei Grad klingt gering, reicht aber aus, um die Farben für das menschliche Auge klar voneinander getrennt sichtbar zu machen – als breites Farbband am Himmel.

Warum sieht das Auge einen Bogen und keine Fläche?

Jede Beobachterin und jeder Beobachter sieht immer nur jene Tropfen, die in einem bestimmten Winkel zur eigenen Position und zur Sonne stehen. Rotes Licht kommt aus Tropfen, die sich in einem Winkel von etwa 42 Grad zum Einfall der Sonnenstrahlen befinden. Violettes Licht aus Tropfen bei etwa 40 Grad. Dieser Winkel ist für alle Himmelsrichtungen gleich – und genau das ergibt die Kreisform.

Theoretisch ist ein Regenbogen immer ein vollständiger Kreis. Vom Boden aus sieht man ihn in der Regel nur als Halbkreis, weil der Horizont die untere Hälfte verdeckt. Aus einem Flugzeug oder von einem hohen Berggipfel aus lässt sich unter günstigen Bedingungen tatsächlich ein vollständiger Kreisbogen beobachten.

Wie kommt die Farbreihenfolge zustande?

Im primären Regenbogen – dem, den wir am häufigsten sehen – liegt Rot immer außen und Violett innen. Diese Reihenfolge folgt direkt aus den unterschiedlichen Brechungswinkeln der Wellenlängen: Rotes Licht mit seiner langen Wellenlänge wird am wenigsten abgelenkt und erscheint deshalb im größten Winkel, also weiter außen. Violettes Licht mit seiner kurzen Wellenlänge wird am stärksten abgelenkt und erscheint weiter innen.

Dazwischen liegen Orange, Gelb, Grün und Blau – in der Reihenfolge ihrer Wellenlängen. Diese Abfolge ist dieselbe, die Isaac Newton im 17. Jahrhundert mit einem Glasprisma nachgewiesen hat: das sichtbare Spektrum des Lichts.

Was ist ein doppelter Regenbogen?

Gelegentlich ist neben dem Hauptbogen ein zweiter, schwächerer Bogen zu sehen – etwas weiter außen, blasser und mit umgekehrter Farbreihenfolge. Violett liegt beim sekundären Bogen außen, Rot innen.

Der Grund dafür ist eine zweifache Reflexion im Inneren der Wassertröpfchen. Das Licht wird nicht nur einmal, sondern zweimal an der Tropfenwand zurückgeworfen, bevor es austritt. Dabei geht Intensität verloren – deshalb ist der zweite Bogen immer deutlich schwächer als der erste. Auch erscheint er unter einem größeren Winkel von etwa 51 Grad.

Zwischen den beiden Bögen liegt ein sichtbar dunklerer Bereich, der sogenannte Alexandersche Dunkelstreifen. Er entsteht, weil aus diesem Winkelbereich kaum reflektiertes Licht das Auge erreicht.

Warum ist der Himmel innerhalb des Regenbogens heller?

Das ist eine Beobachtung, die vielen Menschen auffällt, ohne dass sie eine Erklärung dafür haben. Die Erklärung ist dennoch einfach: Innerhalb des Hauptbogens trifft Licht aus einem breiten Bereich von Winkeln auf das Auge – von allen Tropfen, die einen kleineren Winkel als 42 Grad einnehmen. Das ergibt einen insgesamt helleren Himmelshintergrund. Außerhalb des Bogens kommt aus den entsprechenden Winkeln kaum Licht, weshalb der Himmel dort dunkler wirkt.

Kann man einen Regenbogen selbst erzeugen?

Ja – und das gelingt mit einfachen Mitteln. Ein Gartenschlauch mit feinem Sprühaufsatz reicht aus, wenn die Sonne tief steht und man selbst mit dem Rücken zur Sonne steht. Die künstlich erzeugten Wassertröpfchen funktionieren optisch genauso wie Regentropfen.

Auch ein Glasprisma trennt weißes Licht in seine Farbanteile auf – durch denselben Brechungseffekt, der im Regentropfen wirkt. Wer Zugang zu einem Prisma hat, kann das Spektrum direkt auf einer weißen Wand sichtbar machen. Der Unterschied zum Regenbogen: Das Prisma erzeugt kein kreisförmiges Muster, weil die Geometrie eine andere ist.

Häufige Fragen zum Thema

Warum sieht man Regenbögen meistens morgens oder abends?

Regenbögen entstehen, wenn die Sonne tief am Himmel steht – idealerweise unter einem Winkel von etwa 42 Grad oder weniger über dem Horizont. Je tiefer die Sonne, desto höher steigt der Bogen am Himmel. Bei hochstehender Mittagssonne würde der Bogen unter den Horizont fallen und wäre vom Boden aus nicht sichtbar. Deshalb sind Regenbögen vor allem in den Morgen- und Abendstunden zu beobachten.

Warum haben manche Regenbögen blassere Farben als andere?

Die Farbintensität hängt unter anderem von der Größe der Wassertröpfchen ab. Größere Tropfen erzeugen hellere, kräftigere Farben mit deutlicherer Trennung. Sehr kleine Tröpfchen – wie in Nebel oder feinem Sprühregen – erzeugen blassere oder nahezu weiße Bögen, sogenannte Nebelbögen oder Weißbögen. Auch die Intensität des Sonnenlichts spielt eine Rolle.

Kann man einen Regenbogen anfassen oder näherkommen?

Nein. Ein Regenbogen ist kein Objekt, das sich an einem bestimmten Ort befindet. Er ist ein optisches Phänomen, das sich aus dem Zusammenspiel von Licht, Wassertropfen und dem Standpunkt der beobachtenden Person ergibt. Bewegt man sich auf einen Regenbogen zu, verschiebt er sich im selben Maß – er bleibt immer in derselben Winkelbeziehung zur eigenen Position.

Ist das Lichtspektrum im Regenbogen vollständig?

Der sichtbare Regenbogen zeigt das gesamte sichtbare Lichtspektrum – von Rot bis Violett. Ultraviolettes und infrarotes Licht werden ebenfalls gebrochen und reflektiert, sind für das menschliche Auge jedoch nicht sichtbar. Mit speziellen Kameras, die für UV- oder Infrarotlicht empfindlich sind, lassen sich diese Bereiche jedoch sichtbar machen.

Warum wirkt Violett im Regenbogen oft schwächer als Rot?

Das menschliche Auge ist für Grün und Gelb besonders empfindlich, für Violett hingegen deutlich weniger. Hinzu kommt, dass violettes Licht an der Grenze zum Ultravioletten liegt und teilweise mit kurzwelligem blauen Licht überlagert wird. Beides zusammen sorgt dafür, dass das Violett am inneren Rand des Regenbogens in der Wahrnehmung oft blasser oder bläulicher wirkt als das leuchtende Rot am äußeren Rand.

Gibt es Regenbögen auch auf anderen Planeten?

Theoretisch ja – überall dort, wo es eine Atmosphäre mit transparenten Tröpfchen und eine Lichtquelle gibt, sind Regenbogen-ähnliche Erscheinungen möglich. Auf dem Saturnmond Titan beispielsweise regnet es flüssiges Methan. Wissenschaftler gehen davon aus, dass dort unter entsprechenden Bedingungen Bögen entstehen könnten – allerdings in einem anderen Winkel und mit einem anderen Spektrum, weil Methan Licht anders bricht als Wasser.

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